Daniels Tagebuch

Fado-Star Ana Moura

singt mit Beethoven Orchester und macht aus Melancholie pure Lebensfreude
  • 21.03.2026 19:30:00

  • Bonn, Deutschland

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Fado ohne Weltschmerz? In der Bonner Beethovenhalle zeigt sie, wie das geht, wenn sie ihren Sound erstmals mit einem Orchester verschmilzt. Das Ergebnis überrascht selbst Kenner.
Ein Fado ohne Saudade? Ohne Wehmut, ohne Weltschmerz, ohne Melancholie? Ja, das geht. Zumindest bei Ana Moura. Die 46-Jährige gilt als eine der innovativsten Fado-Interpretinnen aller Zeiten, gerade weil sie die jahrhundertealten, etablierten Formen neu denkt. Ihr Fado ist fröhlich, pulsierend, sexy, angereichert mit Rhythmen aus Angola – der Heimat ihrer Mutter – sowie Einflüssen aus Pop und Jazz. In der Beethovenhalle hat sie ihre Musik nun mit dem großen Klang des Beethoven Orchesters verschmolzen und im Rahmen der Reihe „Grenzenlos“ zusammen mit Dirigent Dirk Kaftan einen wirklich bemerkenswerten Abend gestaltet.

Sehnsucht nach einer besseren Welt

Während Puristen die Nase rümpfen mögen, kommt Ana Mouras innovative Weiterentwicklung beziehungsweise Erneuerung in Bonn hervorragend an. Im Grunde ist ihr Ansatz eine Inversion dessen, was Astor Piazzolla einst mit dem Tango machte, als er ihn als Konzertmusik neu dachte, ihn erweiterte und öffnete. So entsteht ein Fado Nuevo, der sich in Form und Ausdruck an der Gegenwart orientiert und der Sehnsucht nach einer besseren Welt etwas Aufmunterndes entgegensetzt. In Kombination mit einem Orchester hat es diese Art der Musik noch nie zuvor gegeben, wie Moura in einer ihrer Moderationen gesteht. Die Arrangements von Reinhard Summerer wirken denn auch in den besten Momenten überaus frisch, mitunter allerdings auch ein wenig schwülstig. Passt aber, zumal sich Mouras warme und volle Stimme wie flüssiger Honig über die Musik legt und in den großen Gefühlen schwelgt. Dann wieder greift sie auf orientalisches Vibrato zurück, lässt ihre Stimme schwingen und fliegen, während Rui Poço die Saiten seiner Portugiesischen Gitarre flirren lässt und Bassist André Moreira zusammen mit Drummer Ariel Rosa das rhythmische Grundgerüst gestalten. Warum allerdings gewisse Klänge dann doch vom Band kommen, ist angesichts der Fülle von exzellenten Musikerinnen und Musikern auf der Bühne nicht so ganz verständlich.

Unglaublich große Musik


Ana Moura, Rui Poço, André Moreira in der Beethovenhalle
Während die Verbindung zwischen Beethoven-Orchester und Ana Moura nur konsequent erscheint, ist sie doch alles andere als selbstverständlich. Ein besonderer Dank, betont Dirk Kaftan, gehe daher an Manuel Banha, der derzeit mit der 10. Ausgabe seines Weltmusikfestivals „Over the Border“ Bonn noch internationaler macht als ohnehin schon. Und Grenzen überschreitet Ana Moura auf jeden Fall. Vor allem in der zweiten Hälfte wird die Mischung der Stile immer bunter, erklingen auf einmal angolanischer Samba und karibischer Fado, so als hätte es sie schon immer gegeben. Das Beethoven Orchester kontert dies mit Ravels legendärem „Boléro“, und das durchaus augenzwinkernd: „Das Stück ist weder spanisch noch ein Bolero“, erklärt Kaftan. „Aber es ist dennoch unglaublich große Musik.“

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