Daniels Tagebuch

Eine Woche

mit Frank und Rosemary in Freiburg
  • 23.09.2026 12:00:00

  • Schöneckstraße 13, Freiburg, Deutschland

  • leicht sonnig 27°C

  • #TB,

Freiburg, Stadt und Schlossberg

23.09.2026 Colmar - Lady Liberty Schöpfer Auguste Bartholdi

25.09.2026 Lerchenstraße 6 & Schule - Auf den Spuren von Irmgard Otto geb. Oberst Das einzige neue Haus in der Straße 25.09.2026 Wolfgang Haffner Trio & Ida Sand im E-Werk
Wolfgang Haffner (Schlagzeug),
Simon Oslender (Klavier),
Thomas Stieger (Bass)
IDA Sand (Gesang / Klavier)

26.09.2026 Freiburg Augstinermuseum

27.09.2026 Basel - Stadt und Kunstmuseum mit Van Gogh, Holder und ein Cabriolet

Erotische Bilder von Hodler, Totenschädel von Cézanne

Die Heroen der Schweizer Kunst-Moderne buhlten um Gertrud Dübi-Müller. Jetzt wird ihre Rolle als Sammlerin und Fotografin erstmals in Basel groß gewürdigt.
Von Sabine Altorfer
Aus der ZEIT Nr. 42/2026

Gertrud Dübi-Müller in ihrem Automobil der Marke Pic-Pic, um 1911 © Gertrud Dübi-Müller-Archiv/ Fotostiftung Schweiz, Winterthur

Erotische Bilder von Hodler, Totenschädel von Cézanne Die Anekdote über den ersten großen Kunstkauf von Gertrud Müller aus Solothurn klingt wie ein abenteuerlicher Streich. 1908 reist das Fräulein nach Berlin und Wien, weil ihr Mallehrer die Ausstellungen über Vincent van Goghempfohlen hat. Sie schaut nicht nur, sie kauft auch ein Gemälde – obwohl van Gogh damals noch umstritten ist. Allerdings hat sie ein Problem: Sie ist erst 19. Sie darf noch keinen Vertrag unterzeichnen. Mit etwas Verzögerung aber gelingt der teure Coup. Das erste Gemälde ihrer Sammlung, das expressive Porträt des »Irrenwärters« Charles-Elzéard Trabuc, wie sie ihn in einem Brief nennt, wird zu ihr nach Hause geliefert.

Das Porträt bleibt nicht die einzige ungewöhnliche Anschaffung. 1911 kauft die 23-Jährige ihr erstes Auto, ein Cabriolet der Schweizer Marke Piccard-Pictet. Der »Pic-Pic« ist ihr Mobil der Freiheit. Die Kombination Frau und Auto ist Anfang des 20. Jahrhunderts so selten, dass sie heute in der aktuellen Ausstellung des Kunstmuseums Basel titelgebend ist: Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet erzählt die Geschichte von Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) nicht nur als Sammlerin, sondern als umtriebige Frau. In der Schweizer Kunstgeschichte kennt man sie als Förderin und Modell von Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und Giovanni Giacometti. Diese Heroen der Schweizer Moderne veranstalteten regelrechte Wettkämpfe, wer das beste Porträt der jungen Frau malen könne. Amiet und Giacometti maßen sich etwa, indem sie die 19-Jährige mit demselben extravaganten violetten Hut porträtierten. Hodler malte sie vier Jahre später fast lebensgroß, im rosaroten Seidenkleid auf einer roten Polsterbank sitzend – eine Ganzkörperdarstellung, wie man sie nur von Adligen oder Machthabern kennt.

Dieses Gemälde empfängt die Besucherin im Kunstmuseum Basel, auf einer gelben Wand prächtig inszeniert. Gertrud Dübi-Müllers Sammlung ist chronologisch und thematisch gehängt, ergänzt mit Bildern aus dem Besitz ihrer Familie. So wird ihr Sammlerinnenprofil sichtbar. Sie liebte die expressive Malerei ihrer Zeitgenossen, setzte aber nicht auf Abstraktion. Porträts, am liebsten von Frauen, bestimmen die figurativen Gemälde. Und sie liebte Landschaften: Gärten, Berge, Ausblicke. Von Giovanni Giacometti kaufte sie das Bildnis seiner Frau Annetta inmitten von Blumen auf der Laube ihres Hauses in Stampa. Von Max Liebermann eines seiner Gartenbilder. Von Paul Cézanne eine Gruppe seiner bekannten Badenden. Die Kuratorin Géraldine Meyer hat die Sammlung mit Briefen, Postkarten, handschriftlichen Bilderlisten und teilweise lebensgroßen Fotografien von Gertrud Müller ergänzt, die eine so distanziert wirkende wie selbstbewusste Frau zeigen.

Zu ihrer Rolle kommt die junge Frau aus Solothurn nicht nur wegen ihres Kunstinteresses, sondern auch dank ihres Vermögens. Ihr Vater besitzt eine florierende Schrauben- und Drahtseilfabrik, sodass die vier Kinder nach dem frühen Tod der Eltern nicht in Waisenhäusern platziert werden, sondern in der Solothurner Villa Schanzmühle unter Aufsicht einer strengen Gouvernante und der Vormundschaft eines toleranten Onkels aufwachsen. Sie genießen eine großbürgerliche Erziehung, Gertrud erhält außerdem Malunterricht beim fortschrittlichen Cuno Amiet. Er bringt ihr nicht nur van Gogh näher, sondern auch die zeitgenössische französische Kunst. Umgekehrt finanziert sie sein Haus und Atelier auf der Oschwand mit. Mit Oscar Miller haben die Müller-Kinder außerdem einen profilierten Kunstsammler in der Nachbarschaft. So werden Gertrud und ihre drei Geschwister vom Kunstvirus gepackt.

Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) © Fotostiftung Schweiz, Winterthur Zuvor lebt die Siebzehnjährige je ein Jahr im Welschland und in England, wo sie zu fotografieren beginnt. Eine Leidenschaft, die lebenslang anhält. Dass Gertrud Müller fotografierte, war bekannt. Doch bisher sah man immer nur einzelne Fotografien, vermeintliche Schnappschüsse ihrer Künstlerfreunde, ihrer Ateliers und ihrer Familie. Nun hat die Schweizer Fotostiftung in Winterthur ihren fotografischen Nachlass aufgearbeitet, den man auch in Basel sieht. Und dieser überrascht. So ist beispielsweise endlich belegt, wer all die berühmten Fotoaufnahmen von Ferdinand Hodler gemacht hat, darunter das berührende Bild des Malers auf dem Sterbebett.

Gertrud Müller war auch passionierte Alpinistin und hatte bei ihren Berg- und Skitouren ihre Kamera stets dabei. Am liebsten ihre Stereokamera. Nun kann man im Kunstmuseum Basel diese Bilder in beeindruckenden dreidimensionalen Projektionen sehen. Den Kern ihrer Gemäldesammlung hat Gertrud Müller bis 1921 beisammen. In jenem Jahr heiratet sie Otto Dübi, Anwalt und seit 1919 Direktor der elterlichen Fabrik. 1961 gründet das Ehepaar die Dübi-Müller-Stiftung. 1981, ein Jahr nach Gertruds Tod, vermacht die Stiftung dem Kunstmuseum Solothurn 190 Werke, die das Museum auf einen Schlag bedeutend werden lassen. Wie mutig Fräulein Müller Kunst erworben hat, zeigt sich in der großartigen Ausstellung in Basel. Wer wagte es schon, den gelben Hügel von Amiet, erotische Bilder von Hodler oder die Totenschädel von Cézanne zu kaufen?


28.09.2026 Schauinsland - Eiger und Mönch Blick vom Eugen Keidel Turm

Der Knaller zum Schluss

Rosemary und Frank werden Großeltern, Elise verkündet Ihnen aus Paris, dass Sie schwanger ist.

Thilo Becker →